Nur wer das Gestern versteht, findet sich im Heute zurecht
  Grunwitz
 

Mein Heimatdorf Grunwitz Von Paulus Pawelke

Das Dorf Grunwitz ist ein Gebilde aus der Zeit der Leibeigenschaft. Aus einem Verhältnis, in dem der Unterwor­fene seinen Wohnort nicht verlassen, sich ohne Erlaubnis des Herrn nicht verheiraten durfte und unter seinem kör­perlichen Züchtigungsrecht stand. Eine erste bescheidene Milderung dieses, nach gegenwärtiger Weltanschauung ganz unvorstellbaren Begriffes, erfolgte in Preußen etwa um 1700. Die gänzliche Aufhebung dieses harten Frondienstes, der persönlichen und sozialen Unfreiheit, brachte der große Sozialreformer König Friedrich II. (der Große) l712 -1786. Unsere Urgroßeltern, z. T. Großeltern, waren die ersten glücklichen freien Menschen dieser Zeit.Wie Stiefkinder in ihrer ganzen Armseligkeit und trau­rigen Verlassenheit standen zu beiden Seiten der Dorfstraße kleine Strohdach-Lehmhütten, in denen sich keine Holzdielen, sondern festgestampfter Lehmboden befand. Und nur zwei holzverkleidete Ziehbrunnen versorgten das ganze Dorf mit Wasser. Mutlosigkeit drohte bei den Frei­gelassenen sich einzuschleichen. Aber in ihrer einfachen Frömmigkeit fanden sie Kraft und Ruhe, um ihr Lebensschifflein sicher durch die Wogen zu steuern, die ihnen wohl noch mancher Sturm entgegentreiben würde. Die den Häuschen zugewiesene Ackerfläche ließ große und kleinere, sogenannte Freihöfe entstehen.Mit unermüdlichem Fleiß begann ein eifriges Werken und Schaffen, galt es doch jetzt auf eigener Scholle zu stehen. Der Acker wurde durch intensive Bearbeitung zu guter Ergiebigkeit gebracht. Die Lehmhütten mussten mas­siv gebauten Backsteinhäusern und bequemen Wohnräu­men weichen. Daneben entstanden Stallungen und Scheu­nen im Viereck und prägten so ein geschmackvolles Land­schaftsbild. Jeder Hof wurde mit einem eigenen Pumpwerk ausgestattet. Tauben nisteten unterm Dach, ein Hühnervolk tummelte sich vor der Scheune, und auf seiner Hundehütte stand der Hofhund und bellte lustig in den sonnigen Früh­lingsmorgen. Neu entstanden liegt nun das Dörflein Grun­witz da. Die roten Flachwerkdächer glänzen friedlich in der Sonne. Das war das Werk fast einer einzigen Menschengenera­tion, welche die beneidenswerte Schicksalsgnade einer 40-jährigen schönen goldenen Friedenszeit erfahren durfte. Das war das Werk einer Generation, die noch all sonntäglich den weiten Weg zum Gotteshaus fand, um seelische Kraft und seelischen Trost zu schöpfen. Und Gottes Segen schwebte sichtlich über dem Dörfchen Grunwitz und seinen Bewohnern.Abseits vom Lärm und Staub der Hauptverbindungs­straße Namslau—Groß Wartenberg liegt Grunwitz im Drei­eck Trembatschau - Dalbersdorf - Kunzendorf, eingebettet in Wiesen, Felder und Wald. In stimmungsvoller natur­hafter Schönheit führt in geradem Verlauf die wohlgepflegte Dorfstraße, eingesäumt von üppigem schattenspendendem Laubwerk weitausladender Pappeln und zarter Linden. Auch Weiden und Kastanien — vereinzelt einige Fliederbäume — bilden diese schöne Umrahmung. Zu beiden Sei­ten lehnen sich verträumt geschmackvolle Wohnhäuser an. Aus den Schornsteinen kräuseln blaue Rauchwölkchen em­por und sprechen von echtem häuslichem Dorffrieden. Ge­müse- und farbenfrohe Blumengärten und wogende, rei­fende Roggenfelder geben ein sehr stimmungsvolles Bild sommerlicher Pracht.Die Bewohner blieben auch in politisch schweren Zeiten ihrer Wesensart treu. Die Großväter, z. T. auch Väter, waren alle Kriegsteilnehmer von 1870/71 und nahmen — so sonderbar es klingt — geschlossen an der Belagerung Straß­burgs teil; sie bildeten das tragbare Fundament und den vorbildlichen Rahmen des Kriegervereins. Fleißige, ehrliche und rechtschaffene Menschen waren die Grunwitzer. Gemeinsam wirkten sie am Auf- und Ausbau ihrer Ge­meinde. In ihrer Selbstlosigkeit und gegenseitigen nachbarlichen Hilfsbereitschaft lebten die Einwohner wie eine einzige große Familie. Neben einer umsichtigen und klugen Gemeindeführung hatte Grunwitz eine ganz betonte Selb­ständigkeit, die auf dem glücklichen Vorhandensein aller notwendigen Hilfsquellen beruhte.Ein kleines Kaufhaus, schlichte einfache Handwerker, eine gut geführte Musikkapelle. auch eine sehr ‚weise Heil­kräuterfrau“, die bei Unfällen erste Hilfe leistete, sowie ein außergewöhnliches Original von Nachtwächter, gehörten zu: Gemeinde. Doch das Bild wäre unvollständig, wollte ich nicht auch noch eines Mannes in besonderer, lieber und dankbarer Erinnerung gedenken. Es war dies der immer bereitwillige technische Berater und Baumeister unseres kleinen Dörf­chens. Alle massiven Bauten, Wohnhäuser, Ställe, Scheu­nen und Brunnen sind sein Werk, das er mit großer Sorg­falt und Zuverlässigkeit schuf. Selbst über die Grenzen der Gemeinde hinaus erfreute er sich infolge seines reichen Fachwissens und Einfühlungsvermögens einer sehr großen Achtung und Wertschätzung. Dieser gewissenhafte und ehrenvolle Meister ruht lange schon auf dem stillen Fried­hof in Kunzendorf. Aber sein schöpferisches Gestalten und Formen lebt weiter in der Geschichte der Gemeinde. Es war mein Vater!Quelle: Heimatblatt Groß Wartenberg, Nr. 4/60



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Grunwitz liegt im Süden des niederschlesischen Kreises Groß Wartenberg an der Schwarze Weide.

1787:  Grunwitz enthält  ein  herrschaftliches  Wohngebäude, 2 Vorwerke, deren  eins  abgelegen  liegt  und Niedervorwerk heißt. 1 Schäferei, 1 Schule, 6 Bauern, 3 Freibauern, 13 Dreschgärtner, 4 Häusler mit Einschluß der Schmiede, 1 Wassermühle, 230 Personen wozu die Bewohner der 3 Häuser Zabdack genannt so hierher gehören gezählt sind. Das Gut besitzt der Justizrat v. Götz.
"Beytraege zu Beschreibung Schlesiens" Johann Ernst Tramp


1939 sind 254 Einwohner registriert.

Gutshaus im Juli 2012

 
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